RUDIMENTE Schülerzeitung der FWS Stade

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„Ich finde es gut, dass ich nach Deutschland gefahren bin.“

Am Anfang, als unser Lehrer gesagt hat, dass einige Schüler für ein oder drei Jahre nach Deutschland fahren können habe ich ohne überlegen gesagt: „Ja ich will. Aber als ich es mit meinen Eltern besprochen habe und alles schon klar war, habe ich Angst bekommen, dass ich meine Freunde und vor allem meinen Hund alleine lassen musste. Als ich meiner Mutter gesagt habe ich wolle doch nicht fahren, hat sie gesagt, dass sei eine sehr große Chance und es sei doch schon alles vorbereitet. Bis zum letzten Moment habe ich überhaupt nicht daran gedacht, dass ich los musste. Die ersten drei Monate in Deutschland waren sehr schwer für mich weil ich Deutsch nur verstehen, aber kaum sprechen konnte. Und weil ich viel an meine Familie und an meine Freunde gedacht habe. In der Schule habe ich wenig gesprochen, weil ich Angst hatte, Fehler zu machen. Meistens habe ich nur mit meiner Gastfamilie gesprochen. Als ich besser Deutsch konnte, habe ich mehr deutsche Kultur kennen gelernt, und alles, was ich in Litauen gehört habe, sehe ich jetzt anders. Z.B. Essen, was Jugendliche in der Freizeit machen, Stil der Kleidung usw.

Die Schule in Deutschland gefällt mir besser, weil die Lehrer netter sind. Das schlimmste in Litauen war die übertrieben ordentliche Führung der Epochenhefte. Hier ist das besser, weil wir die Epochenhefte mehr für uns und nicht für den Lehrer machen. In Litauen mussten wir erst in der Schule alles schreiben und es zuhause mit Bildern und viel Farbe ins Epochenheft einschreiben.

Ich bin froh, dass ich in der Gastfamilie gelandet bin, in der ich bin, und nicht in einer anderen. Mit meinen Gasteltern verstehe ich mich sogar besser als mit meinen echten Eltern. Jetzt habe ich erst gemerkt, wie altmodisch meine Eltern sind (so wie fast alle Eltern bei uns im Dorf). Aber ich bin froh, dass meine Eltern mir mehr als manche anderen Eltern erlaubt haben (denkt euch aber nichts Schlechtes von meinen Eltern, ich komme gut mit ihnen klar). Ich finde es gut, dass ich nach Deutschland gefahren bin weil ich etwas gelernt habe, was ich in Litauen auf keinen Fall gelernt hätte: die Sprache und mehr Selbstbewusstsein. Erst wollte ich zwar nicht nach Deutschland aber jetzt würde ich gerne drei Jahre hier bleiben, doch ich weiß, das ich hier kein Abitur schaffe. Und das ist für mich sehr wichtig, da ich Studieren möchte. Ich bleibe zwar nur ein Jahr hier, aber ich hoffe dass ich nächsten Jahr wiederkomme, um meine Klasse und meine Gastfamilie zu besuchen. Ich danke meiner Familie und meinen Freunden, dass sie mich im letzten Moment „gezwungen" haben doch zu fahren. Ich danke auch meiner Gastfamilie, dass sie mich aufgenommen hat und nett zu mir waren (was ja nicht selbstverständlich ist wie man aus Erzählungen weiß...) und mir mehr geholfen haben, als sie mussten.

Ruta Dabrilaite

ehemalige Gastschülerin der  jetzigen 12.Klasse