RUDIMENTE Schülerzeitung der FWS Stade

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Der Wahnsinn von Erfurt

In den letzten Monaten ging es viel um internationalen Terrorismus und uns wurde allen eingeredet, wir könnten nicht sicher leben bis die ach so guten ‚Amis’ die ach so bösen islamistischen Terrorgruppen zerstört und somit der Welt den Frieden gebracht haben. Dass es noch weitere Probleme in unserem Land gibt, hat sich am 26. April 2002 gezeigt. Ein Schulrauswurf und die dann folgenden Ängste, es zu nichts mehr zu bringen haben Robert Steinhäuser zu einer wahnsinnigen Tat getrieben, die 17 Menschen nicht überlebten. Unter ihnen auch Robert, er erschoss sich, bevor das SEK zu ihm vordringen konnte.

Es drängt sich eine Frage auf: Wie kommt jemand dazu, so eine Wahnsinnstat zu planen und dann auch noch durchzuführen?

Ein Grund ist wohl das Schulsystem in Thüringen. Wenn man das Abitur nicht spätestens im zweiten Anlauf schafft, steht man ohne jeden Abschluss da, nicht einmal ein Hauptschulabschluss bekommt man zuerkannt. Da haben es diejenigen, die nach zehn Jahren mit dem Realschulabschluss von der Schule gehen deutlich besser.

Robert S. war Mitglied in zwei Schützenvereinen und trainierte dort das zielgenaue töten. Außerdem erhielt er durch seine Ausbildung im Schießen hier auch schnell eine Waffenbesitzkarte.

Durch intensives spielen von Computerspielen wie „Counterstrike“ oder „Quake“. Dies sind Spiele bei denen Terroristen (oder ähnliches) gejagt und gezielt erschossen werden. Auch wenn die deutschen Versionen teilweise kein oder grünes Blut zeigen, kann man hier einen Amoklauf gezielt trainieren, denn in vielen Spielen kann man sich sein Wunschgelände erstellten. So mit trainiert man den Amoklauf gleich in der richtigen Location.

Übrigens: Counterstrike sollte indiziert werden in Deutschland, dass heißt, es wäre verboten worden. Leider wurde dies von der „Counterstrike-Lobby“ verhindert, es hätte wahrscheinlich aber auch nichts mehr als einen symbolischen Wert gebracht, da die meisten Computerspiele sowieso nicht legal im Laden gekauft werden...

Obwohl die Politiker alle versprochen haben, mit dem Wahlkampf inne zu halten und der Opfer zu Gedenken, ging der Wahlkampf unvermindert weiter. Und die Partei ohne Programm aber mit einem Kanzlerkandidat (es ist ausnahmsweise nicht die Rede von der FDP, sondern von der CDU), brachte schon am nächsten Tag schwerste Vorwürfe gegen die Regierung vor, hätte diese die Gesetzesinitiativen der Union im Bundesrat nicht immer abgeblockt, wäre so etwas wie in Erfurt nie passiert. Dabei war es die Union, die noch vehement gegen die kurz vor dem Attentat in Erfurt im Bundestag beschlossene Verschärfung des Waffenrechts protestiert hat. Die CDU/CSU wollte sogar eine Liberalisierung (das heißt z.B. weniger Beschränkungen für Waffenbesitzer) des Waffenrechts!

Aber es ist ja gerade die Zeit des Wahlkampfes und da zählen die Sachen von gestern nicht mehr, die hat der Wähler sowieso schon vergessen.

Ist so etwas wie in Erfurt passiert ist, auch bei uns möglich?

Auffallend ist, dass die meisten Schulmassaker in den neuen Bundesländern geschahen. Doch das heißt natürlich nicht, dass es nicht möglich wäre, dass so etwas auch bei uns möglich wäre. Da hilft auch nicht das Nest der Glückseligkeit der Waldorfpädagogik. Es muss ein generelles Umdenken in der Erziehung geben und zwar nicht nur von Lehrerseite, sondern vor allem bei vielen Eltern! Deshalb ist die Waldorfschule, trotz der intensiveren und persönlicheren Betreuung als es an einer staatlichen Schule gegeben ist, auch ein potenzielles Ziel. Doch was jetzt das Schlimmste wäre, wäre ein Hochsicherheitstrakt aus unserer Schule zu machen, mit Metalldetektoren und Drogenrazzien, wie es in vielen Schulen in den USA mittlerweile leider üblich ist. Nein, ein viel besseres Signal wäre es, Spiele wie Counterstrike zu verbieten und darauf zu verzichten, schon im Nachmittagsprogramm Krimis mit realistischen Morden zu zeigen. Und dann sollten sich einige Eltern überlegen und ansehen, was sich ihre Kinder so alles auf der Festplatte ihres Computer gespeichert haben.

In einem Gespräch in der 11.Klasse, kurz nach der Tat von Erfurt, sagte Herr Schubert, dass auch an unserer Schule die Gewalt zunehme und die Lehrer dieses Problem sehr ernst nehmen müssten. Und viele Lehrer sagten, man mache sich schon Gedanken, wie es wäre, wenn man als Lehrer vor der Klasse stehe, ein Schüler mit einer Pistole hineingestürmt käme und ...

Moritz Morgenstern

12.Klasse