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Kommentar zur Fußballvermarktung im Fernsehen

Es sollte Leo „Fußballgott“ Kirchs neuester Streich werden, die Sat1-Fußballsendung ‚ran’ auf den spät-möglichsten Termin zu verschieben, die Fans im „Free-TV“ solange wie möglich hinzuhalten und neue Zuschauer für Premiere-World zu gewinnen. Auch mit der ‚Tagesschau’ durfte man jetzt lange streiten, was in dieser überhaupt noch an Fußballszenen gezeigt werden dürfte. 
‚Ran’ lief ab sofort zur sogenannten „Prime-Time“, also um 20 Uhr 15, es konnte eigentlich alles nur besser für den Medienguru Kirch werden...

Aber es wurde eben nicht alles besser, ‚ran’ verzeichnete noch schlechtere TV-Quoten als in den Vorjahren, immer mehr Fußballfans entschieden sich zum Abschalten oder Umschalten und das
obwohl die großen Quotenkonkurrenten wie „Wer wird Millionär“ und „Wetten, dass..?“ noch Sommerpause hatten. Nein, die Konkurrenten hießen statt-dessen „Musikantenstadl“ und „Kommissar Stubbe“, Sendungen der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, die beide mehr als doppelt so viele Zuschauer wie die Sat1-Fußballsendung fesseln konnten.

Doch nicht nur diese Quoten bedrückten Kirch, denn auch Premieres Neukunden blieben aus, die Sat1-Pro7-Aktie fiel seit Wiederanpfiff der Fußballbundesliga um mehr als 30%. Es ging also nicht nur um ein par TV-Quoten, sondern um das richtig große Geld.

Kein Wunder also, das Kirch reagiert und die Sendung ‚ran’ ab sofort wieder früher, nämlich um 19 Uhr beginnt. Ob die
Fußballsendung von der Kürzung um 45 Minuten profitiert wird sich noch zeigen, denn vielleicht werden dem Zuschauer so nur noch mehr Bilder von den Spielen enthalten, die durch gekürzte Berichte aus dem Programm fallen. Die ‚Tagesschau’ darf sich aber freuen, sie kann nun wieder zwischen allen sieben Fußballspielen am Samstagnachmittag wählen und von den drei Interessantesten ein paar Spielszenen zeigen.

Wir fragen uns, warum erst dieses ganzes Theater? Die Vereine des deutschen Fußballs zeigen sich plötzlich selbst besorgt, denn wenn Premiere nicht mehr so viel Geld für die Fußballrechte bezahlen kann, wer tut dies dann?
Bayern-Manager Uli Hoeneß schlägt vor, die Rundfunkgebühren zu erhöhen, die ‚Sportschau’ könnte ja wieder die Fußballspiele zeigen...

Aber ist dies nicht viel zu viel Anstellerei? Warum gründet der DFB nicht eine eigene Vermarktungsgesellschaft, einen Fernsehsender, der Samstags und Sonntags die Spiele der Fußball-bundesliga überträgt; einen Fußballsender, der sich aus Werbeeinnahmen finanziert, von dessen Umsätzen die Vereine dann immer noch ein großes Stückchen abbekommen könnten.

Ein Gutes hat die ganze Diskussion um die Übertragungsrechte dann aber doch noch. Leo Kirch hat gemerkt, dass es nicht immer ganz so einfach ist, die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer zu machen und die Fußballfans haben ihm gezeigt, dass sie eben doch nicht alles mit sich machen lassen. Also, statt ‚ran’ am nächsten Samstag einfach wieder das ‚ZDF-Sportstudio’ gucken. Das kommt zwar etwas später, zeigt dafür aber keine Werbung und man hat auch noch das Gefühl, Kirch einmal mehr bewiesen zu haben, dass eben doch nicht alles käuflich ist.

 

Claas Christopher Wilke

 12. Klasse