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Titelthema: Ein würdiger Nachfolger Die Suche nach einem Theaterstückes war nicht besonders einfach für uns. Es sollte kein normales klassisches Theaterstück von Shakespeare sein, sondern modern und sozialkritisch, gerne auch was mit Ost-West, schnell wurde klar, dass es eigentlich nur Sonnenallee werden konnte, doch Schubert und Plümer stemmten sich mit all Ihrer Macht gegen diese (bittere) Wahrheit. Sie stellten uns immer neue Stücke vor und bei jedes Mal wurde wieder klar, dass die Mehrheit einfach nur Sonnenallee wollte. Es wurde immer wieder abgestimmt, doch (fast) alle wollten nur Sonnenallee und da die Ferien immer näher rückten, gaben irgendwann auch die letzten Gegner auf und fügten sich der Mehrheit. Während der ersten drei Wochen hatten wir morgens noch eine Musikepoche, was dem Verlauf der Proben nicht besonders gut tat. Nachdem die Epoche zuende war, die Probenzeiten etwas flexibler wurden, und außerdem die Aufführungen näher rückten, ging es schneller voran, so dass wir nach verkorksten Generalproben, die sich über mehrere Stunden hinzogen, eine fast fehlerfreie Aufführung vor den Schülern spielten. Am Nervösesten von allen war auf jeden Fall Herr Schubert, wie es um die Nerven von Herrn Plümer stand weiß ich nicht, denn er ließ sich eher selten blicken und wenn, war er eher der ruhige Part. Doch allen Unkenrufen zum trotz wurden unsere Aufführungen sehr große Erfolge mit überfüllten Sälen. Ich denke, „Sonnenallee“ war ein würdiger Nachfolger von „Oliver Twist“! Übrigens: Nach dem Klassenspiel gab es Kritik an unserem Theaterstück, da manche verstockt anthroposophischen Elternhäuser der Meinung waren so ein Spiel habe nichts auf der Waldorfschule zu suchen. Andere dagegen meinten, unser Stück sei für die Außenwirkung unserer Schule sehr wichtig gewesen, um zu zeigen, dass unsere Schule modern und weltoffen sei und nicht nur verstockt und altmodisch. 12. Klasse
Der Schulfundus ist nicht für die Schule! Die 12. Klasse hat Ende August 12.Klass-Stück aufgeführt – Sonnenallee. Für ein Theaterstück benötigt man ja bekanntlich eine umfassende Kostümgarderobe. Und da liegt es doch sehr nahe, den extra von der Schule für solche Zwecke eingerichteten Fundus nach brauchbaren Kleidungsstücken zu durchsuchen, dachten sich zwei, für die Kostüme zuständige Schülerinnen der 12. Klasse. Unsere Handarbeitslehrerin Frau Voss verwaltet den Fundus und deshalb traten die beiden Mädchen mit ihrem Anliegen an sie heran. Auf die Frage, ob der Fundus mal besichtigt werden dürfe, reagierte Frau Voss reserviert: Es sei unter keinen Umständen möglich zwei, immerhin erwachsene, junge Frauen unbeaufsichtigt in den Fundus-Raum zu lassen. Etwas irritiert, aber schon auf wenig kooperatives Verhalten der Lehrerin vorbereitet, schlagen die beiden vor, Herrn Plümer, den Sozialkunde Lehrer und Theaterstück-Einprober, mit in den Fundus zu nehmen. Nein, Herr Plümer komme erstrecht nicht unbeaufsichtigt in den Fundus, da er ja für das Schaffen eines irrepperablen Chaos bekannt sei, erwiderte Frau Voss. Wenn, dann könne man nur in ihrer Anwesenheit den Fundus-Raum betreten, was heute nach der sechsten Stunde möglich sei. Da die beiden Schülerinnen aber nach der Sechsten keine Zeit mehr hatten, baten sie um einen anderen Termin, vielleicht in der nächsten Woche. Nach dem Termin heute habe sie gar keine Zeit mehr, weil nächste Woche eine Epoche anfange. Die RUDIMENTE meint: Gratulation Frau Voss, dass sie es bis zur Aufsichtsbevollmächtigten des Schulfundus geschafft haben! Natürlich hat man in einer solchen Führungsposition große Verantwortung zu tragen, und deshalb ist es selbstverständlich und sehr angemessen, dass der Fundus nur unter Ihrer persönlichen Beaufsichtigung betreten werden darf und nicht etwa unter der Aufsicht eines verantwortungslosen Wald-und-Wiesen Lehrers wie Herrn Plümer. Der weiß ja gar nicht, was es bedeutet, so viel Verantwortung zu tragen! Dass die Verwaltung des Fundus mit einem enormen Aufwand an Buchhaltung und Papierkram aller Art verbunden ist, ist uns natürlich auch klar. Und deshalb müssen die beiden Kinder aus der Zwölften auch Verständnis dafür zeigen, dass Sie einen Monat lang keine zehn Minuten Zeit für einen Fundusbesuch haben! Zumal Sie auch noch gleichzeitig eine ganze Epoche haben. Liebe Frau Voss, an dieser Stelle möchten wir Ihnen stellvertretend für die Schülerschaft für die tolle Ausübung Ihres Jobs danken, der uns erst zu einer Schule macht die im internationalen Wettbewerb bestehen kann! Unser Tipp: Das Ressort zur Verwaltung der pinkfarbigen Schulkreide ist kürzlich frei geworden – wie wär’s? Sebastian von Allwörden 12.Klasse Dieser Kommentar ist von mir teilweise wissentlich überzogen worden und soll Frau Voss nicht persönlich angreifen, sondern auf die dahinterstehende Problematik - die Überbürokratisierung einzelner Bereiche der Schule - aufmerksam machen. Es kann nicht angehen, dass wegen der Sturheit einer Lehrerin Kostüme im Kostümverleih ausgeliehen werden müssen, die sich vielleicht im schuleigenen Fundus befinden. |