RUDIMENTE Schülerzeitung der FWS Stade

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Am Anfang viel fragil - am Ende alles fraglich?

Nachträgliche Lichtsuche im Bühnendunkel des Mittwochsschauspieles

Naiver Einschwung

Getragen von der unbelasteten Einstiegsenergie einer neuen Lehrkraft lautete meine Urfrage lediglich: Warum nicht? Warum nicht die Oberstufen-Schauspielgruppe anleiten, am Mittwoch Vormittag, als künstlerisches Alternativprogramm für SchülerInnen, die nicht Chor- noch Orchester -Teilnahme wünschen? Fragen, nach der dafür zur Verfügung stehenden Zeit -lediglich zwei Wochenstunden - kann das überhaupt genug Raum geben für eine tragende Spielatmosphäre - und nach der persönlichen pädagogischen Eignung (bin kein Theaterpädagoge, kein Schauspieler, kein Regisseur) - blieben erst einmal sekundär. Erste Begegnungswochen dienten dann der Ergründung gegenseitiger, latenter Orientierungsfragen: Sind wir klassenübergreifend teamfähig, welche Einstiegsimpulse werden angenommen, was klappt überhaupt an szenischer Umsetzung - wie kommen wir zu ausprägbarem Spielvermögen???

Inszenierungsvakuum und Filmflucht

Was dann geschah, glich eher endlosen Schattenspielereien.. Eingegebene Vorlagen an szenischem Material, angespielte Sketche, eine mit Mühe durchgezogene Stücklesung - alles blieb mühsam, unbelebt, nicht über die Schwelle reichend. Kurz gesagt: Eine lichtarme „Spielzeit" bahnte sich immer spürbarer an, ohne Durchbruch, Dunkel blieb uns die Bühne. Woran es lag, was uns hinderte, bis hin zur Lähmung? Irgendwie stimmte die Basis nicht -Motivationsarmut und Anleitungsschwäche bedingten sich zunehmend gegenseitig. Es fehlte uns an Funkenflug. Und so erstarrten die Mittwochsbegegnung mehr und mehr zu tatenlosem Trauerspiel.

Die belebende Rettung kam spät und spontan. Aus der Wahrnehmung einer schulproblematischen Situation heraus (ein Schülerstuhl fiel von Schülerhand aus einem Oberstübchen auf den Schulhof herab) blitzte situativ eine Filmidee auf. Eine eigendynamische Inszenierungsbegeisterung belebte nun die nächsten Mittwochsbegegnungen, nahezu euphorisch drängend, um eine hintergründige Geschichte zur Realität des gefallenen Stuhles zu schaffen. Das dauersterbende Schauspiel-Projekt floh somit vitalisierend in den Film. Aber auch hier wucherte ein Schatten mit: Zwar schlugen Kreativität und kollektive Tatkraft nun Wellen - nur leider nicht für diejenigen, die –prakti-kumsbedingt abwesend - den Initialmoment just in time nicht miterlebt hatten . Sie konnten nachträglich nicht mehr auf den schwungvoll abgefahrenen Zug aufspringen - ein unüberbrückbarer Vermittlungsengpass.

Fazit: Abbruch als Umbruch zum Aufbruch

Ein Jahr Erfahrungsunbehagen zeigt, dass alles anders werden muss. Ein tragfähiges Vorkonzept muss her das strukturell, personell und zielorientiert auf diese zwei Mittwochsstunden abzustimmen ist. Diese Planvorgaben müssen innerlich von allen potentiellen Teilnehmern unterschrieben und vorangetragen werden, um eine produktive Grundhaltung aller Beteiligten von vorn herein zu ermöglichen. Damit so eine strukturelle Dunkelstelle im Kulturstundenplan nicht mehr ihr Schattendasein fristen kann, sollte das künstlerische Angebot möglichst gehoben werden: Mit Blick auf Chor und Orchester. wo ja auch keine Laienanbieter tätig sind, sehe ich mein inneres Aufkommen eher in Bereichen wie kreatives Schreiben, Poetik, Philosophiekurs oder ähnlichem. Kollegiale Alternativangebote aus Kunst und Eurythmie sind zusätzlich bedenkenswert. Auf ein Neues also! Es gilt, Visionsmut, Spielfreude und Fortschrittserleben auch in diesem zweistündigen Kleinkulturrahmen produktiv freizusetzen.

HaJo Plümer

Lehrer